Auf dieser Webseite werden Rezen-sionen zum Buch veröffentlicht.

Ein attraktives Buch zu einem in der Bildungsarbeit hochaktuellen Thema.

Dazu gibt es eine reichhaltige CD mit wertvollen Ergänzungen zu den Programmentwürfen. Auch im Internet lässt sich unter www.nachhaltigkeiterleben.de entdecken, dass dies nicht nur ein Buch, sondern ein lebendiges, wachsendes System werden kann.


Schon lange habe ich beschlossen, mir keine naturpädagogischen Bücher zu kaufen, denn es sieht so aus als ob, alle Autoren „sehr eng zusammen arbeiten“.

Dies ist nicht nur ein neues Buch, sondern auch ein ganz neues Konzept. Die beiden Herausgeber haben eine der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) angemessene Methode angewendet. Das Buch ist nicht nur „am Schreibtisch“, sondern auch in Workshops entstanden. Frau Kohler und Herr Lude haben im Rahmen eines Projektes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Kooperation mit Hessen-Forst und Landesforsten Brandenburg mit erfahrenen Fachleuten zusammen die beschriebenen Bausteine gesammelt.

Die redaktionelle Arbeit wird insbesondere durch eine sehr übersichtliche und ansprechende einheitliche Gestaltung deutlich. Die Vielfalt der Beiträge und Mitwirkenden wurden auf das Wesentliche reduziert und anschaulich vermittelt. Eine kurze und trotzdem umfassende Einführung in das Grundkonzept der BNE steht am Anfang und zeigt den Lesenden schon, wo es lang gehen soll.


Jeder der 12 Praxisentwürfe hat eine analoge Struktur. Alle sind von A bis H gegliedert und in den Abschnitten Kurzbeschreibung, Vorbereitung, Einführung in der Schule, Veranstaltung im Wald, Nachbereitung in der Schule, Hintergründiges, Erweiterungen und Anhang wird der Entwurf nachvollziehbar dargestellt. Auf einer CD finden sich wertvolle, teils notwendige Ergänzungen und Kopiervorlagen.

Natürlich sind die Praxisentwürfe sehr unterschiedlich - für jeden scheint etwas dabei zu sein.

Einzelne Abschnitte sind eher sparsam und kurz dargestellt, also eher schwierig nachvollziehbar, wie z.B. der erste Entwurf „Unser Wald erzählt … Ein Theaterstück zur Geschichte des Waldes“. Sehr kursorisch wird die Geschichte entwickelt und ist wohl erst mit den reichhaltigen Anlagen auf der CD wirklich nachspielbar. Andererseits bietet diese Darstellung dadurch auch individuelle Freiräume für Gruppen, die dieses Stück nachspielen wollen. Einer eher künstlerischen und theaterpädagogischen Veranstaltung sind großzügige Freiräume durchaus angemessen.

Einen ganz neuen Zugang bietet „Werdende Wildnis - Kommt der Wolf in unseren Wald zurück?“. In Brandenburg sind zugewanderte Wölfe bereits heimisch. Baden-Württemberg gilt noch als „Wolfserwartungsland“. Ob er schon da ist oder ob die Leute nur von ihm reden - in jedem Falle, kann es sich lohnen Wölfe zu thematisieren insbesondere, wenn, wie hier, auch verallgemeinerbare Themen z.B. der Zersiedelung unserer Landschaften, angesprochen werden. Der „große Böse Wolf“ ist eine schaurig-böse Comicfigur und der „kleine Wolf“ macht ihn sympathisch. Der Vater will immer böse sein, doch sein lieber Sohn hat ihn immer im Griff. Mit dem Wolf verbinden die Menschen eher Gefahr und Erschrecken. Trotzdem ist der Wolf der Urahn unseres liebsten Haustieres dem Hund. Angst und Zuneigung verschmelzen zur Faszination. Es lohnt, über ihn mit Kindern im Wald zu arbeiten. Von der ritualisierten Rollenübernahme mit Masken über das tolle Spiel mit dem Tuch wird der gefahrvolle Weg des Wolfes durch Europa und durch die europäischen Kulturen zur Konferenz der Wölfe veranschaulicht. Ein tolles Konzept - mit nur einem Schönheitsfehler. Wozu muss dabei Totholz erforscht werden. Natürlich geht das und ist über alte Wälder auch begründbar, lenkt aber Kinder (und Leser) nur ab vom interessanten Thema Wolf.

„Das Netz des Lebens“, eine eher traditionelle waldpädagogische Einheit, bekommt mit der Inselgeschichte eine reizvolle Nachbearbeitung in der Schule.

Das „Steinzeitcamp“ ist natürlich ein immer wieder faszinierender Klassiker, der insbesondere in Projektwochen zur Hochform entwickelt werden kann. Alles was BNE an Kompetenzen und Methoden, an Selbsttätigkeit und Integration Partizipation und Eigenverantwortung usw. ausmacht kann hier seine Umsetzung finden. Kernthemen, wie Ernährung oder waldpädagogische Klassiker, z.B. Jagd können „ausgespielt“ werden. Globales Lernen findet statt, wenn deutlich wird, dass heute noch solche Kulturen lebendig sind. Selbst Ökonomie wird zum Thema, wenn es darum geht, wo die Nahrung her kommt, nämlich aus dem Wald und nicht aus dem Supermarkt. Feuer machen ein immerwährendes Faszinosum für alle Alterstufen.

„Holzenergie“ ist eine Einheit in der die Forstleute sich verwirklichen und ihre ganze Fachkompetenz ausspielen können. Forstliche Nachhaltigkeit und Holznutzung werden ebenso, wie Berufe im Wald und Brennholz angegangen. Ein Planspiel zur Holznutzung wird erst durch die CD nachspielbar. Schade, dass aus der Vielzahl der Stockspiele (siehe unsere Datenbank Waldmeister, www.hausdewaldes.de) gerade eines gewählt wurde bei dem die Teilnehmenden ausscheiden. Die Frustrationen beim Nicht-Mitmachen-Dürfen wurden wohl ebenso wenig bedacht, wie die Frage, was die Ausgeschiedenen inzwischen machen sollen. Klar, dass die dann Blödsinn machen.

Gute Möglichkeiten für Untersuchungen und Experimente bietet die Einheit „Waldboden und Wasser“. Zum Glück wurde das Thema nicht erschöpfend ausgereizt, sondern nur wertvolle Akzente gesetzt. Für Schulklassen ist der Besuch beim Wasserversorger eine interessante Exkursion. Erfreulicherweise wurde die Aktivität Wasserstaffellauf, die im Globalen Lernen üblich ist und das Thema Virtuelles Wasser als wertvolle Ergänzungen aufgegriffen. Eine altersgemäße Mischung aus Spielerischem und intellektuell Anspruchsvollem.

Die Einheit „Schweinerei im Garten …“ thematisiert die Jagd. Im Zentrum steht ein ansprechendes Rollenspiel. Für Sekundarstufe I sind Inhalte und Methoden durchaus angemessen und können interessant umgesetzt werden.

„Uncoole Zeiten - Vom Klimawandel zum Waldwandel?“ ist hoch aktuell und gerade für diese Altersstufe angemessen. Sehr viel deutlicher sollte gerade deshalb betont werden, dass diese punktuellen Messungen von klimarelevanten abiotischen Momentaufnahmen ohne den Vergleich mit echten Klimadaten aus Langzeitmessungen eigentlich ohne jede Aussagekraft sind. Messen um nur gemessen zu haben, kann ganz einfach vermieden werden, indem diese selbst erhobenen Werte mit recherchierten Klimadaten von Wetterstationen verglichen werden. Das können Lernende aus den Klassen 7 bis 10 gut leisten. Ökogramme für heimische Baumarten erstellen ist ganz sicher eine spannende Aufgabe - wenn diese im Gelände verifiziert werden und nicht nur Tafelarbeit bleiben. Wie das „Klimaessen“ dann aussehen soll, hätte ich gerne erfahren. Die Klimakonferenz nachspielen könnte eventuell sogar so etwas, wie Verständnis für die gescheiterte Kopenhagenkonferenz erzielen. Rollenspiele sind sehr gut geeignete Methoden, die gerade in der Zusammenarbeit mit Schulunterricht hohen Lerneffekt versprechen.

„Auf der Ameisenstrasse“ beginnt mit dem spannenden Simulationsspiel Schwarmintelligenz und Faszination scheint für das folgende Rollenspiel gesichert. Schade, dass nicht auch vor Ort spielerische Elemente integriert wurden - aber diese Freiheit hat ja jeder Waldpädagoge.

In der Einheit „Eiche … gestern, heute, morgen“ findet sich die klassische Waldpädagogik für eine Arbeitsgemeinschaft. Tolle dem Alter der Zielgruppe (Klasse 6) angemessene Aktivitäten vom Nageln zum Eichelkaffee. Insbesondere die Eichelküche hat ganz besonderen Reiz und kann - trotz der Bitterstoffe - viel Spaß machen. Vielleicht kommt die Eiche als Waldbaum etwas zu kurz - aber das kann ja der Waldpädagoge leicht korrigieren.

In „Landschaft … machen wir“ ist eine These versteckt, die Elfjährige, insbesondere in intensiver Befassung während einer Projektwoche, durchaus verstehen können. Modellbau und Arbeitseinsatz könnten zu Höhepunkten werden.

Das Thema Zeit ist eigentlich ein Querschnittsthema für das, aus den anderen Praxisentwürfen zahlreiche Elemente genutzt werden können. Daher macht es auch nichts aus, dass es am Ende etwas zu kurz kommt.


Für BNE-Theoretiker und Praktiker ein ansprechend aufgemachtes Buch, das durch die Praxisentwürfe „Fleisch an die dürren Knochen der BNE bringt“ und das Konzept BNE lebendig umsetzbar zeigt.

Insgesamt ein wertvolles Buch, das sich endlich mal wieder zu kaufen lohnt - obwohl es doch etwas teuer wurde.


Autor:

OStR. Dr. Eberhard Bolay, Dipl.Päd., Pädagogischer Leiter

Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg

Haus des Waldes

Königsträßle 74, 70597 Stuttgart


Tel:  0711-97672- 0

www.hausdeswaldes.de